Bildung: Deutschland fällt zurück

Zahl der Abiturienten steigt stetig, weil die Anforderungen sinken

 

Die Zahl der Abiturienten in Deutschland steigt stetig. Der Grund dafür liegt aber nicht darin, dass die jungen Leute immer intelligenter werden, sondern die Anforderungen zum Erwerb der Hochschulreife parallel dazu stetig gesunken sind. Der Bildungsforscher Rainer Bölling bestätigt dies. Er sieht in den „gestiegenen Abiturquoten ein starkes Indiz dafür, dass die Anforderungen gesunken“ sind.

 

Mit diesem Befund korrespondiert die Tatsache, dass nach der PISA Studie für das Jahr 2015 Deutschland hinsichtlich der Lesekompetenz aller OECD Staaten nur an neunter Stelle liegt. Spitzenreiter ist Kanada, gefolgt von Finnland und Irland. Die höhere Zahl der Abiturienten führt dazu, dass die Zahl der Studienanfänger seit Jahren ebenfalls stetig steigt. Seit 2013 sind das in Deutschland rund 500 000 pro Studienjahr. Nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung brachen ein Drittel der Studienanfänger der Jahre 2012 und 2013 ihr Bachelorstudium ab. Gründe sind laut Deutschem Zentrum für Hochschule und Wissenschaft häufig Leistungsprobleme.

 

Die hohe Studienabbruchquote ist alarmierend, denn sie geht zu Lasten der Steuerzahler, ohne dass dafür eine entsprechende Gegenleistung durch eine volkswirtschaftliche Leistung von Hochschulabsolventen erbracht wird. Die Studienabbrecher werden von den Steuerzahlern mit Milliardenbeträgen, übrigens auch von Lehrlingen und Gesellen, subventioniert. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes kostet ein Studienplatz im Jahr durchschnittlich rund 7.140 Euro. Demzufolge kosten Studienabbrecher den Steuerzahler jährlich rund eine Milliarde Euro.

 

Im „Nationalen Bildungsberichts 2018“ heißt es, dass die Integration der neu zugezogenen Migranten und Asylbewerber, insbesondere aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, für das deutsche Bildungssystem eine, so wörtliche, „besondere Herausforderung“ darstellt. Nur elf Prozent der ab 18-jährigen aus dieser Gruppe können einen Hochschulabschluss vorweisen. Der freilich dürfte unserem Standard nicht genügen. 76 Prozent hingegen verfügen über gar keinen Abschluss. Es ist davon auszugehen, dass der große Anteil dieser schlecht oder gar nicht ausgebildeten jungen Menschen dauerhaft in Deutschland bleiben wird.

 

Es ist empirisch belegt, dass insbesondere Schüler aus der Türkei, arabischen und afrikanischen Staaten einer intensiven pädagogischen Betreuung bedürfen und danach trotzdem die von ihnen erzielten Bildungserfolge deutlich hinter denen von deutschen Schülerinnen und Schülern oder auch von Schülern aus der EU oder asiatischen Ländern zurückbleiben.

 

Sorgen bereitet für die Zukunft die Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen. Sie liegt bei diesen Frauen mit 26 Prozent weiterhin sehr hoch. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und komplex. Fest steht laut einem Gutachten des RWI – Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V. aus dem Jahre 2017 -  dass Hochschulabschlüsse unmittelbar zu niedrigen Geburtenraten führen. Im Gegensatz dazu ist die Kinderlosigkeit bei Nicht-Akademikerinnen wesentlich niedriger. Sie beträgt bei ihnen 19 Prozent. „Bildungsferne“ Mütter (viele davon mit Migrationshintergrund) bekommen überdies deutlich mehr Kinder

 

Bildung ist die tragende Basis einer Gesellschaft, die wie Deutschland nicht über eigene Rohstoffe verfügen kann. Zu wenige und vor allem auch zu schlecht ausgebildete junge Menschen werden nicht in der Lage sein, die Werte zu erwirtschaften, die notwendig sind, den Sozialstaat auch in Zukunft zu erhalten und den Generationenvertrag zu erfüllen.

 

Wir fordern deshalb die Bundesregierung auf, den Empfehlungen im „Nationalen Bildungsbericht 2018“ zu folgen, um ein gerechteres und leistungsorientierteres Bildungssystem zu schaffen. Um die absehbare  Bildungskatastrophe verhindern, muss künftig bei der Migrationssteuerung sowohl der Bildungsstand als auch die Bildungsfähigkeit als Maßstab und Entscheidungskriterium zugrunde gelegt werden. Die Erfahrungen restriktiv verfahrender Einwanderungsländer wie Kanada und Australien sind dabei zu berücksichtigen. Akademikerinnen muss es durch passende Förderprogramme ermöglicht werden, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Der Bund muss außerdem gemeinsam mit den Ländern Konzepte entwickeln, die eine qualitativ hochwertige frühkindliche Betreuung gewährleisten. Die Länder müssen dabei bei der Umsetzung dieser Konzepte finanziell ausreichend unterstützt und im Bundeshaushalt 2020 entsprechende Mittel bereitgestellt werden.

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