Mit dem Handy auf dem Weg zu „Fridays for Future“

Zum Glück kommt der Strom fürs mobile Telefon aus der Steckdose

 

In Großstädten passiert es jeden Tag, zu jeder Tageszeit. Man begegnet jungen Leuten mit gesenktem Kopf. Sie sind nicht traurig, manchmal ist verhaltenes Lachen zu vernehmen. Sie bahnen sich ihren Weg, manchmal in Gruppen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Gleichsam wie Panzer, die niemand aufhalten kann. Kein Blick nach links, kein Blick nach rechts, geschweige denn nach vorne, nur nach unten. Vertieft wie eingefroren ins Handy. Bumm, wieder einmal ist ein ignoranter Zeitgenosse nicht rechtzeitig ausgewichen! Aus dem jetzt aufgerichtetem Antlitz des Jugendlichen folgt die Strafe auf dem Fuß. Ein strafender Blick, diffuses Gemurmel, klingt wie „Ey Alter, keine Augen im Kopf“ – oder so ähnlich.

 

An Freitagen ereignen sich derlei Zusammenstöße öfter als sonst – Jugendliche strömen zu „Fridays for Future“ – FFF. Weder auf dem Weg noch am Ziel angekommen wird der Blick vom Display abgelassen. „Mein Mobilteil, mein zweites Ich oder tertiäres Geschlechtsmerkmal oder was auch immer. Wir sind einfach eins. Gut, dass der Strom dafür aus der Steckdose kommt, während ich mich beim FFF gegen das böse CO2 erhebe!“ Dutzende E-Mails pro Tag, mal eben ein Anruf über WhatsApp, Fotos in der Cloud speichern, kurz mal ein Video auf YouTube schauen – für unsere FFF-Heranwachsendenden alles so wichtig wie das täglich´ Brot.

 

Und nun die große Überraschung: Das alles kostet Strom und versaut jede CO2-Bilanz. Die Nutzung digitaler Technologien hat sogar die Luftfahrtindustrie in Sachen CO2-Ausstoß überholt. Während der Anteil des Flugverkehrs an den globalen CO2-Emissionen Schätzungen zufolge bei rund 2,5 Prozent liegt (Tendenz steigend), gehen mittlerweile fast vier Prozent aller CO2-Emissionen auf das Konto des weltweiten Datentransfers und seiner Infrastruktur, wie der französische Think-Tank "The Shift Project" herausgefunden hat.

 

In seiner Studie sind sowohl die Energiekosten für die IT-Infrastruktur als auch für die eigentliche Datennutzung enthalten - und letztere verschlingt mehr Strom, als die Herstellung. Den größten Anteil an diesen Daten machen mittlerweile Videos aus: 80 Prozent aller Daten sausen als Bewegtbild durchs Netz. Bei fast 60 Prozent des weltweiten Datentransfers handelt es sich um Online-Videos. Also auch die gerade bei unseren FFF-Kindern so beliebten Netflix-Filme.

 

Bewegtbilder benötigen riesige Datenmengen. Der durchschnittliche CO2-Verbrauch durch solche Online-Videos liegt bei mehr als 300 Millionen Tonnen pro Jahr (Messzeitraum 2018). So viel etwa emittiert ganz Spanien in einem Jahr. Zehn Stunden HD-Film erfordern laut "The Shift Project" mehr Bits und Bytes als alle Artikel der Internet-Enzyklopädie Wikipedia (englisch) zusammen.

 

Für die FFF-Aktivisten in aller Welt kommt´s aber noch schlimmer: Am allermeisten Strom wird bei einer Mobilfunkübertragung verbraucht. Freiraumdämpfung, Gebäude, Vegetation und Witterung schwächen die elektromagnetischen Wellen und führen zu Verlusten. Es ist wie im richtigen Leben: Alles, was Spaß macht ist für richtige CO2-Gläubige streng verboten.

 

300 TV-Sender mit Replay und Netflix, die neusten E-Bikes, günstige Flüge von Easyjet und anderen, Badeferien auf Malle, snowboarden auf den schönsten Pisten mit geheiztem Sechser-Sessellift, das neuste iPhone, Instagram, Snapchat, Klassenchat im WhatsApp, wo man sich zum FFF verabredet, Tablet, Laptop, eine PlayStation auf der man Fortnite spielt – allein der Stromverbrauch dieses Spiels und alle Server die es dazu braucht, benötigt mehrere Atomkraftwerke.

 

Hinzu kommt, dass alle Gadgets in China, Südamerika, Afrika und anderen Schwellenländern hergestellt, die Akkus teilweise ohne Umweltschutz ohne Arbeitssicherheit, ohne faire Löhne produziert werden. Zum Teil stellen Kinder die Bestandteile der bei unseren Kids so begehrten Geräte her. Diese Kinder sind freilich leider nicht so privilegiert wie unsere FFF-Jugend.

 

Wenn sie stattdessen eine Schule besuchen könnten, würden selbige sicher nicht freitags schwänzen. Wissen unsere FFF-Streiter, dass die Gewinnung von Lithium für die Herstellung von Akkus in Südamerika, Afrika und weiteren Ländern gewaltige Umweltschäden anrichtet? Dabei denkt man natürlich beim Selfie-Posten von FFF nicht, da geht es nämlich um Wichtigeres, nämlich um die eigene Zukunft – mit dem neuesten iPhone, versteht sich…

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