Nicht Schulschwänzer, sondern Ingenieure und Wissenschaftler schaffen die Zukunft

Besuch beim Fusionsreaktor Wendelstein 7-X

 

 

Der Fusionsreaktor: seit fünfzig Jahren die große Hoffnung auf die umweltfreundliche Lösung der Energieprobleme der Welt. Ein Reaktor, der mehr als zehnmal soviel Energie erzeugt wie für seinen Betrieb benötigt wird und der – anders als Kernspaltungsreaktoren – nicht „durchbrennen“ kann, weil im Störfall die Fusion augenblicklich zusammenbricht. Ein Reaktor zudem, der so gut wie keinen radioaktiven Abfall erzeugt, der über Jahrtausende endgelagert werden müsste.

 

Dass in der Forschung und Entwicklung dieser Energiequelle Deutschland ganz vorne mitspielt, davon konnten mein wissenschaftlicher Referent Benjamin Niemeyer und ich uns vor wenigen Tagen im Fusionsreaktor „Wendelstein 7-X“ des Max-Planck-Instituts in Greifswald auf Einladung des Instituts hin überzeugen.

 

Der Fusionsreaktor, wenn er einmal in großem Stil verfügbar ist und zuverlässig permanent arbeitet, ist die Ideallösung für die Deckung der sogenannten Grundlast, wenn Braun- und Steinkohle bzw. Erdgas als Betriebsstoffe nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Einsatz der regenerativen Energien wie Sonne und Wind, die ja nie ständig verfügbar sein können, bedingt das Vorhandensein von Kraftwerken, die immer rund um die Uhr laufen, um bei „Dunkelflaute“  die Leistungsschwankungen bei den erneuerbaren Energien ausgleichen zu können.

 

Fusionsenergie?

Das ist im Prinzip derselbe Vorgang,  der in der Sonne stattfindet. Tritium und Deuterium werden unter enormer Energie zu Plasma verschmolzen und verbrennen dann bei Temperaturen jenseits der 100 Millionen Grad Celsius. Über Wärmetauscher werden dann konventionelle Dampfkraftwerke angetrieben.

Tritium und Deuterium werden aus Wasser und Lithium – einem Hauptbestandteil leistungsstarker Batterien und weltweit genügend vorhanden – gewonnen. Eine quasi unerschöpfliche Energiequelle also.

Und diese Energiequelle kann eben nicht wie in Tschernobyl explodieren und jahrhundertelang strahlen.

 

Unendlich billige, risikofreie Energie – es würde ein Menschheitstraum erfüllt.

 

Wäre es nicht so schwierig, den Brennvorgang in Gang zu setzen und zu halten. Das Plasma darf nämlich nicht mit der Außenhülle in Kontakt kommen, da zum einen kein Material die Hitze überstehen und zum anderen das Plasma sich sofort abkühlen würde.

Die Aufgabe besteht nun, es mittels Magneten in einem Feld zu halten und den passenden Druck aufzubauen, damit die Fusionsreaktion von statten gehen kann.

 

Dass diese Anforderung nicht so einfach ist wie sie klingt, zeigt sich darin, dass selbst tausende Wissenschaftler weltweit an diesem Problem seit über fünfzig Jahren forschen. Immer dachte man, dass man „in dreißig Jahren soweit sei“ – woraus der spöttische Begriff der „Fusionskonstante“ entstand. Inzwischen hat sich diese Konstante aber auf momentan fünfzehn Jahre verkürzt.

 

Die Chinesen wollen noch früher fertig sein. Denn auch sie haben das Potential der Kernfusion entdeckt – Während es in allen anderen Ländern zusammen etwa 5-6000 Forscher gibt, haben sie allein 10.000 Fusionsforscher und -ingenieure ausgebildet. Auch ist ihr Zeithorizont deutlich kürzer. In etwa zehn Jahren wollen sie eine stabile Kernfusion schaffen. Der Schritt zum wirtschaftlichen Betrieb ist dann nur noch ein kleiner.

Momentan ist die Gruppe der Fusionsforscher eine große Gemeinschaft, in der ein enger Austausch stattfindet und bei der es keine Geheimnisse untereinander gibt. Das liegt daran, dass es sich hier um Grundlagenforschung handelt. Sobald man aber in den Bereich der wirtschaftlichen Verwertbarkeit vorstößt, werden plötzlich Patente und Betriebsgeheimnisse extrem wertvoll.

Wir brauchen nicht darauf zu hoffen, dass sie uns ihre Betriebsgeheimnisse bei der Fertigung mitteilen werden – den Schlüssel für die Energieversorgung der Welt werden sie uns teuer bezahlen lassen. Es darf auch nicht ein weiteres Mal dahin kommen, dass Deutschland maßgeblich an der Entwicklung einer neuen bahnbrechenden Technik beteiligt ist, deren kommerzielle Nutzung dann aber von anderen übernommen wird.

 

Hier hilft also nur, die eigenen Anstrengungen zu erhöhen – in den kommenden Haushaltsverhandlungen wird die AfD eine deutliche Erhöhung der Forschungsgelder fordern.

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